Ballroom Blitz * Ballhaus Gruenau

ger24 Ballroom Blitz – es gibt verlassene Gebäude, wo es regelrecht weh tut, wenn man sieht, wie sie langsam zerfallen, und das Ende nicht mehr fern ist. Das geschichtsträchtige Ballhaus Grünau in Berlin ist eine solche Location.

Genaugenommen handelt es sich um zwei unterschiedliche Gebäude, die organisatorisch zusammengehören. Sie stehen direkt nebeneinander unmittelbar am Flussufer, und beide sind gleichermaßen vom Untergang durch den Verfall bedroht.

Die Geschichte

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts änderten sich die Vorlieben der Menschen bezüglich ihrer Freizeitgestaltung. Eine dieser Entwicklungen war die Gründung von Wassersportvereinen, die sich in Flußnähe niederließen um ihrem Training nachzugehen, unter anderem ein Regattaclub. Dies lockte natürlich auch Wirtsleute an, die für Speis und Trank sorgten. Mehrere Ausflugslokale wurden entlang der Regattastrecke gebaut, darunter in den Jahren 1874/1875 das „Gesellschaftshaus Grünau“ und das „Riviera“. Direkt am Ufer gab es Anlegestege, was es Seglern und Ruderern ermöglichte, hier einen Halt einzulegen.

In den 1920er Jahren wechselte erstmals der Besitzer, und es erfolgten An- und Umbauten. Es traten international bekannte Künstler und Musiker auf. Vermutlich erlebten beide Lokale einen Boom, als die Wassersportkämpfe der Olympischen Spiele 1936 dort stattfanden.

In den 1940er Jahren gab es wieder einen Besitzerwechsel. Während der NS-Zeit waren vermutlich Nazi-Ortsgruppen regelmäßig zu Gast. Es gibt Berichte, wonach die NS-Organisation „Kraft durch Freude“ in dieser Zeit Betreiber war. Beide Gebäude überstanden den Krieg und die alliierten Bombardierungen unbeschadet.

Es folgte die lange Zeit der DDR-Diktatur. Auch hier blieb alles beim Alten. Die Location war auch weiterhin ein beliebter Ausflugsort und wurde für kulturelle, gesellschaftliche und sportliche Anlässe verwendet. Während dieser Zeit wurden die Gebäude neu verputzt und durch das Entfernen des Zierrats, wie kleiner Türmchen, stark verändert (dies war in der DDR gängige Praxis, da meist Geld und Material für die Instandhaltung fehlte – also entfernte man die Gebäudeteile einfach). Dennoch erhielten die Gebäude bereits in dieser Zeit Denkmalschutz.

Nach der Deutschen Wiedervereinigung gingen die Gebäude an die Treuhandanstalt über und wurden noch 1990 geschlossen. Seitdem stehen sie leer und verfallen, da der zuständige Bezirk nicht die Mittel für einen Erhalt aufbringen konnte. Im Jahr 2006 fand sich endlich ein ausländischer Investor, der die Anlage zum absoluten Spottpreis von 650.000 Euro kaufte und dort ein Kongresshotel und Eigentumswohnungen errichten wollte. Ein Abrissantrag wurde wegen Denkmalschutz abgelehnt, ein Bauantrag infolgedessen niemals abgegeben. Da jahrelang absolut nichts passierte, wurden die Gebäude 2014 von Seiten der Stadt notdürftig gegen weiteren Verfall gesichert. Da der Eigentümer auch weiterhin untätig blieb, sind Gerichtsverfahren anhängig.

Es wurde von verschiedenen Seiten mehrfach der Verdacht geäußert, dass der Eigentümer durch seine Tatenlosigkeit absichtlich den totalen Verlust herbeiführen will, damit der Denkmalschutz gestrichen wird.

Die Erkundung

Da beide Gebäude an mehreren Stellen offenstehen, ist der Einstieg recht einfach. Von innen erschließt sich schnell das gesamte Ausmaß der Schäden – beide Gebäude sind meiner Meinung nach nicht mehr zu retten. In die oberen Etagen sollte man besser nicht mehr gehen, da der Boden bereits weich wie Kuchenteig ist.

Trotz aller Schäden spürt man aber noch überall den Geist der Geschichte und kann sich sehr gut ausmalen, was für eine grandiose Feierlocation die beiden Gebäude einmal gewesen sind. Es sind zwar nur noch Reste des damaligen Zierrats vorhanden, aber selbst das bisschen Stuck und Farbe lässt einen beinahe erfürchtig dreinblicken. Im Keller gibt es noch Reste der Küche und des Glaslagers zu entdecken, und im großen Ballsaal des Gesellschaftshauses steht noch ein imposanter Flügel. Dieser wurde vermutlich irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt dort hin gebracht. Vielleicht wurden dort Filmszenen gedreht oder ähnliches.

Der Tanzsaal des Riviera (auch als der „rote Saal“ bekannt, wegen seiner roten Decke) wurde mit unzähligen Stahlstützen und Holzverschalungen gegen Einsturz gesichert – leider ist die gesamte Deckenzierde dadurch hinter Holz verschwunden. Sozusagen als Ersatz gibt es sehr toll gemachte Graffitis von Plotbot Ken dort zu entdecken.

Auch das schmiedeeiserne Tor und die Zäune sind immer noch toll anzuschauen, auch wenn sie im Gestrüpp verschwinden.

Alles in allem eine lohnende Erkundung. Wer sich das Gebäudeensemble anschauen will, sollte sich beeilen und sehr vorsichtig sein wegen der Einsturzgefahr. Beide Gebäude werden es wohl nicht mehr lange machen.

Besucht: Mai 2016

uk24 Ballroom Blitz – it is a rare occurence, but sometimes, it really hurts to see beautiful old buildings slowly crumbling. The historic „Ball House Gruenau“ in Berlin is such a location.

Technically speaking, these are two different buildings which belong together. They stand directly at the river bank, and both are a facing a total loss due to their decay.

The History

At the end of the 19th century, the leisure preferences of the people were changing. One of these changes was the founding of many sport clubs. Watersports clubs such as regatta and rowing clubs built their bases at the river banks. This in turn attracted bar and restaurant owners to open new businesses in the neighborhood. Several restaurants and dancing venues were built along the regatta course on the river. Two of them were the „Gesellschaftshaus Gruenau“ and the „Riviera“. On the river bank they built piers for the boat owners to stop by.

In the 1920s there was an owner change. The new owner made some additions and changes to the architecture. Internationally known artists and musicians held performances here. Probably, the location experienced a boom when the watersport disciplines took place on the river during the 1936 Olympic Games.

In the 1940s the ownership changed again. There are rumors that the Nazi organisation „Kraft durch Freude“ (Strength through Joy) ran the two venues during the Nazi time. Local Nazi associations were regular guests. Both buildings survived WW2 and the allied bombings undamaged.

After the war, the long decades of the GDR communist reign followed. Everything stayed as it was – the location was used as before, a popular spot for partying and cultural and sport events. During this time, the buildings got new plastering on the outside, and many of the decorative elements, such as small turrets, were removed (this was a constant practice in the GDR – they never had enough money and materials for preserving building decorations and ornaments, so they simply removed them). Though, the buildings were put under monument protection.

After German Reunification, the buildings came under the management of the „Treuhandanstalt“ (trust agency, an agency established to privatize the former GDR-owned enterprises). As a result, they were shut down in 1990. Since then, they stand vacant and are decaying more and more, as the responsible Berlin district did not have the money for maintenance. Finally in 2006, a foreign investor was found who bought the buildings for the ridiculous price of 650K Euros. The investor wanted to built a congress hotel and some private flats on the premises. A demolition application was turned down due to the monument protection. Subsequently, the investor never applied for new building permission. For years, nothing happened – except the advancing deterioration. In 2014, the town district ordered some temporary support works to protect the „House R.“ from collapsing. As the owner still does nothing, there are lawsuits running.

Different officials and experts suspect the owner of deliberately idleness, so the buildings will collapse over time which will lead to the cancellation of monument protection and he can build his hotel.

The Exploration

Both buildings are open in different spots, so entering is easy. Once inside, you can see the full impact of damage. I don’t think that they can be saved anymore. You better don’t go upstairs, as the floors are already soft like cake dough.

Despite all the damage and destruction, you can feel the spirit of history in every corner, and you can imagine what a great party location this must have been in its heyday. There are only fragments of the beautiful stucco plastering left, but even this little traces of ornaments and color will impress you. In the basement, there are remains of the kitchen and storage rooms visible. A lonesome piano stands in the middle of the large ballroom of the Gesellschaftshaus. This was probably brought there later, maybe for a movie scene or something.

The ballroom of the Riviera (known in the urbex scene as the „red room“ because of his red ceiling) has been protected against collapse with lots and lots of steel supports and sturdy wooden beams – sadly, the whole ceiling is now invisible because of the wooden beams that support the roof. In exchange, you can enjoy really beautiful graffitis of the famous Berlin artist Plotbot Ken.

Also, the forged iron entrance gate and fences make great photo shots, despite they are slowly hidden in dense undergrowth.

In all, this was a worthwhile visit. Everyone who wants to visit this location should hurry, but be VERY careful due to the danger of collapsing. I think, both buildings will be history soon.

Visited: May 2016

Kris Tina, Patricia Schuster, Andrea Onnouw, Dave Ryan, Tom Khate, Andrea Bienert, Andreas Danner, Mona Moraht gefällt dieser Artikel